Montag, 23. Januar 2017

LL Demo 2017





Auch 2017 fand wieder die LL Demo in Berlin statt und wurde anschließend im Netz von den diversen Gruppen abgefeiert. Jedes Jahr das gleiche Ritual. Diesmal hingegen machte sich jemand die Mühe, zu zählen und dazu Fotos zu verwenden. Dies führte auf Indymedia zu wütenden Reaktionen bei denen es wieder um die altbekannte Bilddebatte ging. Als wenn Fotos dieser Demo irgendein Problem darstellen würden. Als wenn da nicht schon genug gefilmt und fotographiert würde. Die Debatte auf Indymedia zeigt einfach die Wut der autoritären Linken auf den Kontrollverlust. Daß sie nicht mehr die Macht haben, anderen Vorschriften zu machen bzw. Auf der Demo ihre eigenen Gesetze zu machen.
Ansonsten hat sich wenig verändert. Immer noch die bekannten Gruppen mit ihren anachronistischen Aufzügen, welche die Demo zum kommunistischen Themenpark machen. Hier nun die Reaktionen im Netz.Fangen wir mit der MLPD an.

Heute in Berlin: Die größte Manifestation für den Sozialismus in Europa lebt - jung und voller Siegeszuversicht!

Die MLPD hatte sich vorgenommen, jeden auf der Demo zu erreichen, was sie wahr gemacht hat!

Da fragt man sich, ob sie vor lauter Agitation noch zum demonstrieren kamen?

Mehr als 700 Exemplare des kurz vorher erschienenen aktualisierten Parteiprogramms der MLPD wurden verkauft.

Der Leistungsnachweis darf auch nicht fehlen.


Der Rest des Berichts besteht in der üblichen Propaganda von Siegeszuversicht und Selbstbeweihräucherung.

Von der TAZ dürfen wir etwas mehr Realismus erwarten.

Sonntag war Jahrmarkt in Berlin. Angeboten wurden Ideologien und die Revolution. Um10 Uhr morgens ertönt am Frankfurter Tor eine Kakofonie von Ansprachen, Arbeiterliedern und Anticapitalista-Rufen. Es tummeln sich Stalinisten, Leninisten, Maoisten und Trotzkisten – sogar Anarchisten haben sich hierher verirrt.

Aus einem der Lautis tönt es: „Wir wollen die heutige Demo organisiert gestalten und versuchen in Achterreihen zu marschieren.“ Nur der Block einer militant auftretenden Jugendgruppe hält sich ernsthaft daran.

Keine Disziplin mehr :-)))


An der Gedenkstätte selbst ist die Stimmung andächtig. Aus den vielen Lautsprechern ist Mozarts Requiem zu hören. Die Gruppe „Jugendwiderstand“ stört die Stimmung kurz und ruft: „Alles für Volk, Klasse und Partei. Es lebe Stalin!“

Diese Witzfiguren durften natürlich nicht fehlen.


Berliner Morgenpost


Mit Stalin und Mao durch Berlin

Bei der Liebknecht-Luxemburg-Demonstration pflegen viele Teilnehmer einen bizarren Kult um kommunistische Gewaltherrscher.

Wer am zweiten Januarwochenende einen Spaziergang durch Ost-Berlin macht, kann den Eindruck gewinnen, eine Zeitreise in die Sechzigerjahre unternommen zu haben. Tausende Menschen ziehen vom Frankfurter Tor zum Friedhof der Sozialisten nach Friedrichsfelde - stets unter den gestrengen Blicken von Lenin, Stalin, Ho-Chi-Minh und Mao.

Neben Transparenten und Schildern mit den Konterfeis der kommunistischen Führer tragen Teilnehmer auch DDR- und FDJ-Fahnen mit sich, und selbst Nordkorea hat regelmäßig einen stolz beflaggten Fanblock. So zogen die Berufsrevolutionäre auf der traditionellen "Luxemburg-Liebknecht-Demonstration" stets durch die Hauptstadt. Nichts deutet darauf hin, dass es in diesem Jahr anders werden wird.

In verschiedenen Blöcken ziehen diverse K-Grüppchen mit Kürzeln wie RSB, MLKP und SOL zu den Gräbern der ermordeten KPD-Gründer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, um dort rote Nelken abzulegen

Damit ist auch schon alles gesagt.


Dem Volke dienen

Eine Maoistengruppe mit Webseite.

….Darunter war auch ein Block hauptsächlich jugendlicher Revolutionäre, aus unterschiedlichen Teilen der BRD und Österreich…..

Die Parolen des Blocks waren unter anderen „Die BRD ist nicht unser Staat, alle Macht dem Proletariat!“, „Proletarischer Feminismus für den Kommunismus!“ und „Nur der Griff der Massen zum Gewehr schafft den Sozialismus her!

Da wird noch die proletarische Díchtkunst gepflegt.

Politisch ist es wichtig festzustellen, dass die diesjährige LLL-Demonstration vor allem den Willen zur Einheit zeigte:

- Den Willen zur Einheit auf der Grundlage der Prinzipien des Marxismus und seine Entwicklung unter der Avantgarde der revolutionären Jugendlichen, die sich auf Basis eines korrekten Zweilinienkampfes zu vereinen wissen und theoretisch und praktisch kämpfen für die Rekonstitution der Kommunistischen Partei.

So etwa kannst es in diversen Schriften von 1970 sicher auch nachlesen, wenn man sich die Mühe macht, sie aus diversen Archiven auszugraben.

 
Jugendwiderstand


Auf dem Blog einer Maoistsensekte, die ältere Genossen an die diszipliniert Parolen brüllende KPD/ML der frühen 70er erinnert lesen wir bemerkenswertes an Geschichtsblindheit. Hauptsache man brüllt die ideologisch richtigen Parolen, dann geht der Parteiaufbau wie von selbst. Ihre Fotos sind selbstverständlich mit Pixelface dargestellt. So macht man auf konspirativ und stellt sich als sehr gefährlich dar. Kennt man schon von den ML Parteien.

Wir freuen uns natürlich auch, dass von uns entwickelte Parolen wie „Die BRD ist nicht unser Staat – Alle Macht dem Proletariat!“ zunehmend in Teilen der revolutionären Bewegung aufgegriffen werden. Zusammen mit der wiederaufgegriffenen Parole der KPD/ML „Nur der Griff der Massen zum Gewehr, schafft den Sozialismus her!“ (die sie im Rahmen ihrer ideologischen Degeneration später selbst als „linksabweichlerisch“ verworfen hatte) geben sie der revolutionären Jugend in unserem Land wieder ideologisch scharfe und korrekte Sprechchöre, die den Willen zum Kampf und die endgültige Abkehr von diesem Staat und seinem Parlamentarismus untermauern.

AKAB

Kämpferischer Jahresauftakt bei LLL-Demonstration in Berlin!

Gefolgt von GenossInnen der MLKP und einem Block unter dem Motto „Gedenken heißt Kämpfen“ (Kommunistischer Aufbau, Red Liberation Cottbus, Revolutionärer Jugendbund, Trotz Alledem und Ziel und Kurs Cottbus) hat sich unser Block eingereiht in einen Langen Teil der Demonstration von verschiedenen revolutionären Blöcken.

Ach ja die Blöcke. Sie sind wieder da? Und vor allem die Sprache. Aggressiv, agitativ und irgendwie aus der Zeit gefallen. Egal wie realistisch das ist, oder wie wenig dahintersteckt, es liest sich sehr beeindruckend auf dem Blog. Jedenfalls wenn man ausschließlich solche Seiten besucht.


Indymedia Linksunten


Die TeilnehmerInnen einer linken Demo abfilmen und durchzählen? Einen besseren Beweis auf welcher Seite ihr steht hättet ihr wohlt nicht liefern können, als hier eure Bullenarbeit zu veröffntlichen.

Wer unverpixelte Bilder einer (wie auch immer) linken Demo veröffenlicht oder verlinkt kickt sich selbst ins Abseits.

Gesicht zeigen
Ich weiß, auf einer öffentlichen Demonstration kommt das den Bürgerkindern etwas verwegen vor - aber genau darum geht es eigentlich. Auch wenn einem das nach dem Studium vielleicht bei seiner Karriere im Wege steht.

Dieses Wüten gegen Bilder und das bestehen auf Konspiration ist genau das Kennzeichen linken Sektierertums. Die Wut gegen denen die mal versuchen jenseits der Propaganda die Fakten zu benennen ist genau das stalinistische Erbe an dem der Sozialismus gescheitert ist und dürfte auch genau zu den rückläufigen Zahlen beitragen.

...wenn wir anfangen würden, realistische Teilnehmerzahlen anzugeben, hätten die kommenden Mobilisierungen eine noch schwächere Wirkung. WOLLT IHR DAS?!? Und die bürgerliche Presse würde uns noch weniger beachten. Das kann es doch auch nicht sein. Lieber in größeren Abständen laufen und ordentlich Banner, Fahnen und Rauch/Pyros/Böller verwenden. Das macht Eindruck und vermittelt eine kraftvolle Bewegung.

Faust hoch
‚Das macht Eindruck und vermittelt eine kraftvolle Bewegung.‘

Die es so dann aber gar nicht gibt. Toll. Selbstbetrug vom feinsten. Wie im Osten. "Die Jugend der DDR steht in Wort und Tat überwiegend zur Politik der Partei..." Wie immer, schön an den Realitäten vorbei. Hat ja schon mal so gut funktioniert.

Ich würde das ja als versuchte Manipulation an den Menschen bezeichnen. Was hat das mit Befreiung zu tun?

Reale Zahlen?
Genau so lief das in der DDR oder in der SU. Realistische Zahlen? Wie sollen wir so den Plan erfüllen? Es ist schon seltsam.Auf der Demo hat der Geist der DDR 1:1 überlebt.

Was stimmt bei euch nicht
habt ihr nichts besseres zu tun, als genoss_innen abzufilmen und durch zuzählen? nur damit ihr sagen könnt das bündnis übertreibt? das ist jedem klar und den leuten auch selber.

Genau!
Allen ist klar, dass sie lügen, aber wie könnt ihr es aussprechen?! Warum macht ihr sowas grausames wie Realität?

Typisch, typisch sag ich da! Jawoll ja!

Genau.
Die Realität ist unerträglich und schadet nur unserer Sache. So begann der Sozialismus und so endete er.

Es ist schon verwunderlich, wie viele Personen hier ihren Beissreflex bekommen, wenn die "Szene" mal mit der Realität konfrontiert wird. Man wäre gerne 10000+, aber mit den angereisten K-Gruppen, Ostalgikern und alt-SED-Rentnern sind es dann doch nur 3000..

Die ganzen neu entstehenden roten Gruppen, sei es nun Aufbau, Jugendwiderstand oder was weis ich, ist so in etwa das erfrischenste was ich in den letzten Jahren in der deutschen Linken gesehen habe. Die reissen was……

Der war gut. Die tun wenigstens was. Auch wenn es eher nach linker Cosplay aussieht. Das gleiche haben gefrustete Genossen seinerzeit über die K Gruppen gesagt. Sie wußten was sie für n Mist machen, aber wenigstens tun sie was.Und die folgende Antwort ist durchaus lesenswert.

Peinlich, peinlich!
Vielleicht solltest du die von dir zu Götter mit ewigen Wahrheiten erhobenen alten Herren erstmal lesen und zwar ernsthaft lesen, nicht nur mit religiösem Eifer inhalieren. Dann würde dir so manche Dämlichkeit vielleicht sogar selbst auffallen. Denn deine Götter - das muss man ihnen auf jeden Fall zu gute halten - sahen ihre Theorien nie als allzeitliches Wahrheiten an, sondern als zeitlich und räumlich begrenzt, die sich auch zeitlich und räumlich wieder geändert, angepasst und/oder gegebenenfalls komplett verworfen oder ersetzt werden müssen. Man kann Mao schon förmlich lachen hören, wenn er wüsste das ein paar westliche Kleinbürgerkids seine Theorien zum China der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts versuchen, auf das Deutschland des 21. Jahrhundert anzuwenden um nur mal ein Beispiel heranzuziehen.
Du hälst es also für das "erfrischenste" die selben Fehler der K-Gruppen der 1970er Jahre zu wiederholen? Klar, das bringt die kommunistische Bewegung in Deutschland sicher weiter.... nicht! Naja, wenigstens müsst ihr dank der Diversifizierung und des Mentalitätswandels in weiten Teilen der Arbeiter*innenklasse - im Gegensatz zu euren Vorläufer in den 70ern - weniger fürchten, auf die Fresse zu bekommen, wenn ihr vor den Werkstoren steht und versucht, die Arbeiter*innen zu agitieren. Wobei dass für einen möglichen Lernprozess bei euch sicher von Vorteil wäre, wenn die Arbeiter*innen euch wie in den 70ern behandeln würde. Denn bei den K-Grüpplern führte dies zu der Annahme, dass man zur Agitation der Arbeiter*innenklasse selbst Teil der Arbeiter*innenklasse werden müsse, weswegen man in die Fabriken ging. Dort mussten sie alsbald feststellen, dass ihr Geschafel, mit der Lebensrealität der Arbeiter*innen wenig bis nichts zu tun hatte, woraufhin sie - bis auf ein paar wenige und völlig isolierte Ausnahmen - dem Maoismus/Stalinismus (wonach auch immer sie sich konkret ausgerichtet haben) abgeschworen haben. Übrigens auch einer der Hauptgründe, warum sie kaputtgingen.
Was meinst du überhaupt mit Versuch der Antideutschen? Meinst du die nicht minder peinliche Veranstaltung der Jusos? Tut mir Leid, dass ich dich enttäuschen muss, aber als Kommunist hab ich damit nichts zu tun. Mit der Indymedia-Kommentarspalte habe ich meistens auch nichts am Hut. Aber komisch (und auffällig) dass diejenigen, die hier der Gruppe Cosmonautilus Staatsschutzarbeit vorwerfen, indirekt wollen, dass man seinen politischen Lebenslauf ausbreitet, wenn man nicht zu reinen Internetschwätzern erklärt werden soll. Eigentlich ist bereits die Vorstellung, dass der Staat überhaupt auf besondere Weise gegen euch agitieren müsste, völlig lächerlich. Ein paar gesellschaftlich und auch innerhalb der Linken völlig marginalisierten Kleinstgruppen, die einmal im Jahr zu einer Demo zusammenfinden, die außer ihnen selbst keiner mehr ernst nimmt, und dabei nur eine vierstellige Zahl bilden, also davor muss sich der Staat sicher nicht fürchten.
Ich weiß, die gesellschaftliche Realität ist hart, aber nur weil du sie nicht anerkennen willst, brauchst du keine lächerlichen Phantomjagden auf angebliche Antideutsche machen. Fun-Fact zum Schluss: Für real existierende Antideutsche gelte ich als böser "Antiimp".




Donnerstag, 12. Januar 2017

Oktoberrevolution

Die Oktoberrevolution verändert die Welt. Dies ist der aktuelle Titel der Roten Fahne der MLPD. Doch auch für den Rest der Linken dürfte die Oktoberrevolution dieses Jahr Thema sein. Hundert Jahre, das will gefeiert werden. Wird es sicher. Besonders von dem was von der SU übriggeblieben ist, wenn auch wenig Anlass dazu besteht. Aber auch in Putins Reich ist die Geschichte nicht vergessen. Witzigerweise hat die heutige SU mit der früheren nicht mehr viel zu tun. Aber dazu kommen wir noch.
Die Oktoberrevolution gilt auch hier übergreifend den Linken als der Urknall. Endlich wurde die Theorie real, an die schon Marx nicht mehr geglaubt hatte. Er dachte am Ende, die Zeit der Revolutionen ist vorbei. Und da hatte er nicht so Unrecht. Denn ohne den ersten Weltkrieg hätte es keine erfolgreiche Revolution gegeben. Ist nicht so bekannt. Warum? Die Oktoberrevolution ist seither mit Mythen und Legenden zugestellt so daß die Fakten nur noch mühsam von der Fiktion zu unterscheiden sind.

Und das ist der Punkt. Oder wird es mal wieder dieses Jahr werden. Über die Oktoberrevolution hat noch heute jeder seine eigene Wahrheit.  Und die werden wir im Netz lesen dürfen. Die Dogmatischen und Traditionslinken werden die Oktoberrevolution auf bekannte Art abfeiern. Kritische Auseinandersetzung sollte man weniger erwarten. Diese Gruppen werden grad mal die altbekannten Propagandabilder aus dem Keller holen und das bekannte Bild einer erfolgreichen Revolution und eines erfolgreichen Aufbaus des Sozialismus vorführen. So sieht es die Traditionslinke noch heute gern. Es gibt andere Sichtweisen und Ansichten zum Thema, die von den Dogmatikern gerne verschwiegen werden. Sie passen nicht so ins heroische Selbstbild. Sie stören das Bild der Revolution, an das Linke gerne glauben wollen, je irrealer die Wiederholung in Europa erscheint. Der erste Anlass wird die LL Demo in Berlin, hier versammeln sie sich und können bereits jetzt den Jahrestag abfeiern. Im Oktober bzw. November, da es ja durch den russischen Kalender zu einer Verschiebung kam, darf wirklich abgefeiert werden. Die Frage stellt sich nur, was feiern wir?

Eine Revolution, in der die revolutionäre Theorie materiell wurde? Eben nicht. Gerade die Oktoberrevolution stellte sich etwas anders da als von der Theorie vorgesehen und das war sie ja gar nicht. Im unterentwickelten Russland hätte sie gar nicht stattfinden dürfen. Jedenfalls nach der dogmatischen Lehre. Die Revolution war erfolgreich, weil nach dem Zusammenbruch der Front ein Machtvakuum entstand. Sie war bereits vorbei und der Zar entmachtet, als Lenin putschte und dies Revolution nannte. Und von der revolutionären Partei war vorher auch nicht  so viel zu sehen gewesen. Lenin hatte also nur noch abgeräumt. Trotzdem hat die Oktoberrevolution einiges verändert und setzte einigen Idealismus frei. Der dann freilich hart abgewürgt wurde. Lenin war ja nicht allein beteiligt. Trotzki war auch noch da und genau den werden die verbleibenden Trotzkistengruppen abfeiern und ihn die zustehende Würdigung verschaffen. Da haben sie eine nette Aufgabe gefunden. Sicher wurde Trotzkis Beitrag hinterher verschwiegen und sein Bild im Wortsinne ausradiert und wenn die Trotzkisten nun an seinen Denkmal bauen, dann verschweigen sie gern seinen späteren Beitrag, aus dem sozialistischen Experiment eine autoritäre Parteidiktatur zu machen. Die Diktatur gab es bereits, danach ging es nur darum, wer bekommt den Job. Stalin war eben erfolgreicher und so begann für die Trotzkisten das Unglück ab diesen Zeitpunkt. Für die Marxisten/Leninisten freilich erst mit dem XX. Parteitag. Bleiben noch die Anarchisten, die in ihren Seiten auf Kronstadt verweisen können und auf deren Beitrag zur Revolution. So schafft sich jeder seine eigene Oktoberrevolution.

Doch nun zur Gegenwart. Aus der Oktoberrevolution wurde längst ein Staatsmythos und auf die wird man auch heute nicht verzichten wollen. Das daraus schlußendlich ein autoritär regierter Staat wurde, der derzeit mit Kleinkriegen und Annektion nach Weltmachtgröße strebt und ansonsten mit der alten Ideologie nichts mehr zu tun hat, nun das ist eben der Lauf gescheiterter Versuche das Paradies auf die Erde zu holen.

Für die Dogmatiker ist die Geschichte eine klare Sache. Sie wissen was passiert ist und vor allem, wer schuld ist. Wenn es die Entstalinisierung nicht gegeben hätte! Wenn der Kampf gegen den Revisionismus nur …..! Wenn Lenin nicht ökonomisch zurückgewichen wäre ….! Wenn, wenn, wenn! Sie kennen alle Fehler die gemacht wurden und nur deswegen scheiterte der Sozialismus. Wer den Unsinn glauben will, darf ihre Seiten besuchen und sich das reinpfeifen. Die Realität ist freilich immer etwas schwerer und selten kann man einen Schuldigen herausdeuten.

Nicht die Oktoberrevolution ist das Problem. Eher die praktische Umsetzung ihrer Absichten zu einer Parteidiktatur die das Land nur mit Zwang und Gewalt zusammenhalten konnte. Sowas ist eben nicht von Dauer. Irgendwann verlieren die Menschen den Glaube und vor allem ihre Angst und dann kracht der Laden eben zusammen. Erstaunlich ist eher, daß er siebzig Jahre gehalten hat.

Es zieht sich durch die Geschichte der nach 68er Linke. Die Oktoberrevolution als Projektion und Wunschbild. Und die war über weite Strecken für etliche Linke realer als ihre aktuelle Realität. Mit dem Ende und Niedergang der ML Gruppen und des ML Dogmatismus verschwand die Bedeutung aus dem Alltag und der Diskussion. Dieses Jahr wird sie online abgefeiert werden und eine Anmerkung wäre noch zu machen.

Eine seltene Chance zu beweisen, daß der Sozialismus die bessere Alternative darstellt und machbar ist, wurde vertan. Digitale Denkmäler werden daran wenig ändern.

Montag, 25. Juli 2016

Rückfällig


Zu den bekannten Grundlagen linker Revolutionstheorie gehört unverzichtbar der stetige Kampf gegen jede Form des Revisionismus. Stets ist die erfolgreiche Revolution vom Rückfall in den Kapitalismus und der alten Gesellschaftsordnung bedroht. So wird es in der gängigen Revolutionstheologie regelrecht gepredigt. Die Warnungen vor dem Revisionismus füllen ganze Buchkapitel und keine marxistisch leninistische Partei kommt ohne regelmäßige Mahnungen und Warnungen vor dem Grundübel, ideologisch rückfällig zu werden, aus. Oder anders ausgedrückt, den wahren Weg der revolutionären Partei zu verlassen und dem Pfad der Sünde zu folgen.
Die Wortwahl zeigt ihre Herkunft aus der Theologie und der Zusammenhang ist mehr als auffällig.
So wie die diversen Religionen ihre Schäfchen stets vor der Sünde und dem Verlassen des wahren Glaubens warnen, führt die ML Ideologie diese Tradition fort und hat sie in die Ideologie übernommen. Nur Böse/Sünde wurde gegen Liberalismus, Revisionismus, Reformismus und noch mehr Fehltritte ersetzt. Utopie ist auch darunter und Anarchie? Na das geht mal gar nicht.
Trotzkismus nicht zu vergessen und der hat keineswegs was mit dem Namensgeber zu tun, noch weniger mit den heutigen Trotzkistensekten. Es ist einfach nur eine Sammelbezeichnung für Opposition wie sie bei Stalin angewendet wurde.
Jedenfalls sehen wir, der Kampf gegen alle Strömungen des Denkens hat in der Kirche sein Vorbild. Ist es da der Teufel, der mit seinen Versprechungen die Schäfchen auf Abwege bringen will, die Partei und Revolution ist dementsprechend vom Rückfall in die alte Ordnung und in den Reformismus bedroht. Und daher muß dagegen rund um die Uhr und mit allen Mitteln entschlossen der Kampf geführt werden.
Wird dies vernachlässigt, dann scheitert die Revolution, dann passiert genau das, als 89 der Ostblock zusammenkrachte. Die Kommunisten haben jedenfalls bis heute eine klare Erklärung dafür gefunden, das ein Gesellschaftsmodell zusammenbrach, das mit dem ursprünglichen Gedanken nicht mehr viel zu tun hatte. Ja hätte man nur ….. was bitte?
Für die Dogmatiker waren die Reformen wie Glasnost der Fehler. Also was wäre die Alternative gewesen? Weiter wie gehabt? Gab es. Albanien stemmte sich bis zuletzt dagegen und verzögerte nur den Zusammenbruch, der sich dann umso heftiger entlud.
Oder die chinesische Lösung? Die Partei blieb an der Macht, nur veränderte sich China auch ohne Umsturz. Mao und der Sozialismus sind heute nur noch ideologische Fassade. Aber die Partei hat nach wie vor die Macht und mehr als Machterhalt ist nicht übriggeblieben.
Doch wenn es um den Kampf gegen den Revisionismus geht, gibt es eine weitere Frage, die auf Antwort wartet. Ok, natürlich ist es nicht die Frage, es sind die Menschen die sich mit dem Thema beschäftigen. Die sich noch die Zeit nehmen um sich damit zu befassen, was heute alles andere als selbstverständlich ist.
Wenn die nachrevolutionäre Gesellschaft so instabil ist, daß stets der Rückfall in die alte Ordnung besteht, dann stellt sich schon die Frage, warum.
Warum braucht man eine Parteidiktatur, Zwangssysteme, Geheimpolizei und Zensur um die neue Gesellschaftsordnung zu schützen? Wer wollte denn freiwillig zurück zum Kapitalismus oder ins Feudalsystem, wenn doch der Sozialismus endlich die ersehnte Freiheit gebracht hat. Muß man die neue Gesellschaft mit Stacheldraht, Pressezensur, Schauprozesse und Lager schützen? Vor wem?
Eine Gesellschaft die solche Mittel zu ihrem Erhalt braucht, kann irgendwie nicht so das sein, was den Menschen versprochen wurde.
Die dogmatischen Kommunisten argumentieren, die neue Gesellschaft müsse vor inneren und äußeren Feinden geschützt werden. Betrachte man freilich die Maßnahmen, so richteten sie sich vorwiegend gegen die eigene Bevölkerung und gegen die einfachen Menschen und trafen keineswegs die entmachteten Vertreter der alten Ordnung. Sie richteten sich gegen die Arbeiter und Bauern selbst. Also gegen die Zielgruppe, die angeblich nun die Macht hat, oder in deren Sinn das alles sein soll.
So wie in diversen Glaubenssystemen auch stets die Säuberungen wüteten, da es stets Fanatiker gibt, die der Ansicht sind, das Reich Gottes könne erst anbrechen, wenn alle Störer, Ketzer und Abweichler beseitigt sind, scheint sich im Kommunismus dieses Prinzip fortzusetzen. Das Arbeiter und Bauernparadies kann erst real werden, wenn alle Klassenfeinde beseitigt sind. Und diese Exzesse begleiten die Geschichte des Kommunismus bis zum Extremfall Kambodscha.
PS: Schaut man sich den ideologischen Kampf gegen den Revisionismus genauer an, so stellt man fest, es geht gar nicht darum. Es ist die ideologische Fassade für Machtkämpfe wie sie stets nach Revolutionen ausbrechen. Etwa in der Art, wer bekommt den Weinkeller!

Montag, 4. Juli 2016

Kulturrevolution

50 Jahre Kulturrevolution im China Mao Zedongs: „Eine Revolution, die die Seele berührt“
Wer auf der Suche ist nach einer echten Alternative zum krisengeschüttelten Kapitalismus fragt sich natürlich nicht nur, wie eine sozialistische Gesellschaft erkämpft werden kann.

Die MLPD muß man nicht weiter ernstnehmen. Realen Einfluß hat sie kaum und eigentlich ist sie nur ein Verein bestehend aus in die Jahre gekommener Altlinke und Dogmatiker. Dafür gehört sie zu den letzten Aufrechten, die noch heute die Kulturrevolution als große Leistung abfeiern. Die MLPD ist auch eine der letzten Übriggebliebenen die noch heute die Legende von der revisionistischen Entartung vertreten und danach war die Kulturrevolution genau das richtigen Mittel, die Rückkehr Chinas zum Kapitalismus zu verhindern. Freilich war dieser Kapitalismus in China vorher kaum existent und von einen Industrieproletariat wenig zu sehen. Das wurde erst von der Partei geschaffen. Wie verhindert man also dieRestauration der Kapitalismus? Durch Mobilisierung der Jugend. Böswilligerweise könnte man auch von Aufhetzung der Jugend reden. Es versteht sich, daß die Vertreter der reinen Lehre ein Bild der Kulturrevolution verbreiten, das gerade mal die Parteipropaganda abschreibt. Alle seit langem bekannten Informationen werden ignoriert. Etwa die Anzahl der Opfer, der Schaden der angerichtet wurde. Ignoriert werden in diesem Wunschbild die Schicksale der Menschen, die zur Zielscheibe der Angriffe wurden, ohne zu begreifen, warum. Wer seine Arbeit verlor, plötzlich geächtet war und öffentlich gedemütigt wurde bzw. ‚Selbstkritik‘ leisten mußte, konnte sogar noch von Glück reden, eine große Anzahl hatte weniger Glück und wurde umgebracht. Die Opferzahlen waren nicht gerade bescheiden. All das ist ein bis heute in China nachwirkendes Trauma. Das dies von Dogmatiker auch nur thematisiert wird, wäre naiv zu erwarten. Dieser interne Machtkampf wird als erfolgreicher Kampf gegen die Entartung des Sozialismus dargestellt und schaut man sich die Fotos an, so darf man sich ernsthaft fragen, ob die neue Gesellschaft so aussehen sollte. Die MLPD schreibt wie zu erwarten einen Propagandatext wie man ihn bereits in diversen Parteiblättern von vierzig Jahren genießen konnte.
Ermutigt durch den konsequenten antirevisionistischen Kampf der Kommunistischen Partei (KP) Chinas in Theorie und Praxis, wurden überall auf der Welt revolutionäre, marxistisch-leninistische Parteien und Organisationen gegründet….‘
Und genau in deren Schriften wurde die Kulturrevolution so beschrieben und die realen Opfer ausgeblendet. Ebenso wenig passt in dieses Propagandagemälde, das Ende der Kulturrevolution. Das am Ende Jugendbanden gegen Jugendbanden kämpften und die Partei die Armee einsetzte um den Irrsinn zu beenden. Und zudem ein Großteil der Jugend auf dem Land in der Verbannung endete. Viele endeten auch als Zwangsarbeiter. Hier hatte die Revolution wirklich ihre Kinder gefressen. Alles bekannt wenn man es wissen will. Und auch, was es gebracht hat. Außer Chaos, Zerstörung und Gewalt nicht viel gewesen. Ein wie immer projizierter Rückfall in den Revisionismus wurde nicht verhindert, im Gegenteil. Mit den Machtverschiebungen innerhalb der Partei mußten zahlreiche Opfer der Kulturrevolution rehabilitiert werden. Vielen half das freilich nichts mehr, aber immerhin. Die von der MLPD beschriebene Gründungswelle von ML Parteien war nur die Folge linker Kirchenspaltung und des Versuches der KP Chinas Einfluß unter den Linken in Westeuropa zu erhalten, deren Kommunisten alle die SU als ideologische Führungsmacht betrachteten. Die standen der Kulturrevolution zwar mit ideologisch definierten Mißtrauen gegenüber, die reale Gewalt interessierte sie freilich wenig, das war schließlich ein ganz normaler Vorgang im Kommunismus. Klingt zynisch, aber so dürfte es gewesen sein. Die Jugend im Westen freilich war von der Kulturrevolution beeindruckt. Auch diejenigen, die keine ML Parteien gründeten. Es war eine naive Sichtweise auf die Propagandabilder die aus China kamen. Die Aufmärsche, das Fahnengeflatter und die Geschichten von der Auflehnung gegen die Autoritäten, davon ließen sich viele beeindrucken und da wollte man nicht zu genau hinsehen.
‚Ein halbes Jahrhundert nach dem Beginn der Kulturrevolution erscheinen jetzt in vielen bürgerlichen Zeitungen Artikel mit bösartiger, antikommunistischer Hetze. Gestützt auf die offizielle Geschichtsschreibung im heutigen kapitalistischen China, wird fast gleichlautend behauptet, dass die Kulturrevolution „zehn verlorene Jahre“ oder „zehn Jahre Chaos“ gewesen seien.‘
Möglicherweise gestützt auf eine heute nüchterne Rückschau in der endlich die Fakten beschrieben werden dürfen? Gestützt auf die Geschichten von Beteiligten, die erzählen, worüber sie bisher schweigen mußten? Für die MLPD ist das freilich nur antikommunistische Hetze, was auch sonst? Tatsächlich?
‚Unausweichlich in solch einer Massenbewegung, dass es auch zu Überspitzungen und Übergriffen kam.‘
Ist nicht wahr. Die MLPD gibt zu, daß es zu Übergriffen kam? Na schau an, so ganz kann auch die Partei die Bilder von Parteifunktionären mit Spitzen Hüten und umgehängten Schmähtafeln nicht ignorieren. Aber das waren keine Übergriffe, daß nicht. Von den tatsächlichen ‚Übergriffen‘ gibt es eher wenig Bilddokumente.
‚Jugendliche der „Roten Garden“ zogen über Land, um den Massen zu helfen, Bürokraten und Karrieristen zu entlarven. Später wurden sie mobilisiert, sich dort zumindest zeitweise niederzulassen, um sich an der schweren Arbeit zu beteiligen, beim Aufbau von Schulen….‘
So liest sich das Ende der Kulturrevolution. Eher wurden sie weitab auf die Dörfer verbannt um sie ruhigzustellen. Sie wurden nicht mehr gebraucht und konnten so in den Städten nichts mehr anstellen. Und mobilisiert? Vermutlich wurde notfalls nachgeholfen ebenso wie es der Armee gelang, mitten im Frieden auf chinesische Ziele Bomben zu werfen.
….Drei Tage vorher hatte Mao Zedong eine Wandzeitung veröffentlicht mit der Losung „Bombardiert das bürgerliche Hauptquartier!“ ‘
Hatte jemand bei der chinesischen Luftwaffe dies gelesen und möglicherweise etwas mißverstanden? Man könnt es fast glauben. Doch es gibt noch mehr Irrtümer über die uns die Partei aufklärt. Das Rote Garden gegeneinander kämpften hat demnach einen Grund. Diesen.
‚…….Die kritisierten Machthaber merkten bald, dass sie im offenen Schlagabtausch hoffnungslos unterlegen waren. Darum gründeten sie selber konkurrierende „Rote Garden“, die vor Mord und Totschlag nicht zurückscheuten……‘
Aha, jetzt sind wir klüger. Hat also nichts damit zu tun, das den Roten Graden die ‚Feinde‘ ausgingen und nur Fahnenschwenken auf die Dauer unbefriedigend ist. Zu einer echten Revolution gehören auch Klassenfeinde, die man verprügeln kann. Nichts dergleichen, es war alles von Klassenfeinden gesteuert, die damit nur….. irgendwie kommt einen diese Form der Darstellung bekannt vor. Das ist von irgendwelchen finsteren Mächten gesteuert. Irgendwo im Dunkeln sitzen die Verschwörer die alles zerstören wollen und nur darauf lauern, den Kapitalismus wiedereinzuführen. Ach was kann die Welt einfach sein.
Das bekamen auch die protestierenden Jugendlichen in den Industriemetropolen zu hören. Sie wären ja nur vom Osten gesteuert. Undenkbar, daß Menschen von sich aus aktiv werden. Da muß es eine Zentrale im Hintergrund geben, die Ihnen die Befehle gibt. Klar, wer so redete, kannte es selbst nicht anders. Auf China bezogen bedeutet das, wenn es innerhalb der Kulturrevolution zu hässlichen Szenen gekommen sein sollte, dann kennen wir die Verantwortlichen. Es waren kleinbürgerliche Bürokraten und Revisionisten. Auf keinen Fall hatte die revolutionäre Jugend damit was zu tun, die selbstverständlich reinen Herzens ist und mit dem ihr eigenen jugendlichen Fanatismus gegen Jugendliche kämpft, die ihre Mütze versetzt tragen.
Soweit so schlecht, die Partei hat einen Propagandatext abgeliefert, den man nicht weiter ernst nehmen muß. Man erfährt hier vieles über die Denkweise kommunistischer Dogmatiker aber wenig über das Thema. Doch die MLPD hat noch ein kleines Geschenk für uns. Oder soll man sagen, eine Drohung?
‚…….Mehrere Kulturrevolutionen werden notwendig sein, um endgültig durch eine ständige proletarische Erziehung über die kleinbürgerliche Denkweise in der Bürokratie zu siegen….‘
Na da können wir ja froh sein, das wir die erste Kulturrevolution hinter uns haben, würde man in China denken. Beim nächsten Mal wird alles besser. Oder wir lassen s einfach. Was die MLPD angeht, an dieser Drohung sollte man sich bei der nächsten Wahlentscheidung erinnern, selbst wenn die Wahlergebnisse eigentlich nicht der Rede wert sind.


Er drängt auch darauf, zu erfahren, wie verhindert werden kann, dass der Sozialismus wieder zugrunde gerichtet wird – wie es in den ersten sozialistischen Ländern der Welt, der Sowjetunion, China, der DDR und anderen geschah. …….vor 50 Jahren fand sich die überzeugende Antwort darauf, wie eine Restauration der Kapitalismus verhindert werden kann: die Große Proletarische Kulturrevolution im China Mao Zedongs.

Die Kulturrevolution war ein großartiges Fanal gegen den Verrat am Sozialismus. Es ließ die ganze Welt aufhorchen. Eine historisch einmalige Mobilisierung breitester Massen von Arbeiterinnen und Arbeitern, armen Bäuerinnen und Bauern und von Jugendlichen verhinderte die damals in China unmittelbar drohende Machtübernahme durch eine kleinbürgerliche Bürokratie. Sie verwirklichte allseitig die Diktatur des Proletariats gegen die Bürokratisierung des Partei-, Staats- und Wirtschaftsapparats. Das begeisterte fortschrittliche Menschen auf der ganzen Welt.

Revisionistische Parteien, die am Gängelband Moskaus oder Ostberlins geführt wurden, versumpften in der Rechtfertigung bürokratisch-kapitalistischer Verhältnisse, die von ihnen als „realer Sozialismus“ beschönigt wurden.

Ermutigt durch den konsequenten antirevisionistischen Kampf der Kommunistischen Partei (KP) Chinas in Theorie und Praxis, wurden überall auf der Welt revolutionäre, marxistisch-leninistische Parteien und Organisationen gegründet. Viele dieser Organisationen verschwanden sehr schnell wieder von der politischen Bühne. Für echte Marxisten-Leninisten aber ist die Kulturrevolution bis heute eine Richtschnur im Kampf für einen neuen Anlauf für den Sozialismus. Heute hat die internationale revolutionäre und Arbeiterbewegung ihre Talsohle durchschritten, festigt und entwickelt sich.

Das lässt den Herrschenden im Zeichen zunehmender Kapitalismus Kritik und eines Linkstrends unter den Massen keine Ruhe.

Eine bösartige, antikommunistische Schlammlawine

Ein halbes Jahrhundert nach dem Beginn der Kulturrevolution erscheinen jetzt in vielen bürgerlichen Zeitungen Artikel mit bösartiger, antikommunistischer Hetze. Gestützt auf die offizielle Geschichtsschreibung im heutigen kapitalistischen China, wird fast gleichlautend behauptet, dass die Kulturrevolution „zehn verlorene Jahre“ oder „zehn Jahre Chaos“ gewesen seien. Die Kulturrevolution war eine das ganze Land mobilisierende Massenbewegung – vor allem Jugendliche demonstrierten zu Hunderttausenden in der Hauptstadt Peking, um ihre Unterstützung für diese Revolution, „die die Seele berührt“, zu bekräftigen.

Eine Verfälschung ist es allerdings, aus der Kulturrevolution eine Studentenrevolte zu machen. Tatsächlich hatte die Kulturrevolution einen besonderen Schwerpunkt im Bildungs- und Erziehungswesen und im Kulturbereich, dem Überbau. Dort hatten sich feudale und bürgerliche Traditionen besonders hartnäckig halten – und zum Teil sogar wieder festigen können. Dagegen entwickelte sich Widerstand, und viele Proteste gingen von den Universitäten aus. Aber dabei blieb es nicht. Gerade die gezielte Verbindung der rebellierenden Studierenden mit den Massen der armen Bauern und dem Proletariat war eine Grundlinie der revolutionären Führung. Erst indem die Jugendlichen lernten, „dem Volke zu dienen“, wurden sie zu „jungen Bahnbrechern“. Es ging darum, dass „die Arbeiter in allem die Führung“ übernahmen und mit der Kommunistischen Partei und ihren Genossinnen und Genossen an der Spitze die Diktatur des Proletariats verwirklichten.

Unausweichlich in solch einer Massenbewegung, dass es auch zu Überspitzungen und Übergriffen kam. Mao Zedong ermutigte die Jugend: „Rebellion ist gerechtfertigt“. Er wusste, dass revolutionäre Bewegungen eben „kein Deckchensticken“ sein können. Aber er warnte auch vor einem Jugendkult und forderte friedliche Mittel in der Auseinandersetzung.

Die beliebteste Methode der Gegner der Kulturrevolution ist es, tragische Einzelschicksale aufzutischen: Von Opernsängerinnen, die gedemütigt wurden, weil sie „Schweine hüten“ mussten. Das sollte doch lieber den armen Bauern überlassen bleiben. Gerne bemühen die Artikelschreiber die Klischees der Massenpsychologie. Das Volk sei von Mao missbraucht worden, um seine persönlichen Macht-Ambitionen mit der Ausschaltung seiner Widersacher zu befriedigen. Es ging tatsächlich um die Machtfrage: vorwärts zum Aufbau des Sozialismus – oder zurück in die kapitalistische Ausbeutung und Unterdrückung! Nur hatte das nichts mit persönlichen Machtgelüsten Maos zu tun. Dessen Verleumdung mit teilweise geradezu abstrusen Lügengeschichten gehört ebenso zu den großen Stereotypen des modernen Anti­kommunismus wie die Dämonisierung Josef Stalins als angeblichem „Massenmörder“.

Mit immer phantastischeren Opferzahlen überbieten sich die Verfasser der jüngsten Artikel zur Kulturrevolution: „Die Zeit“ nennt 400 000, die „Süddeutsche“ 1,4 bis 1,8 Millionen, die „Tagesthemen“ bringen es auf 2 Millionen. Belege? Verursacher? Verantwortliche? Fehlanzeige!

Über die Ausgangslage in China, die Zielsetzungen und realen Ergebnisse der Kulturrevolution lohnt es sich nach dieser Logik gar nicht erst zu schreiben.

Worum ging es in der Kulturrevolution?

Am 8. August 1966, 17 Jahre nach der siegreichen Revolution in China im Jahr 1949, verabschiedete das Zentralkomitee der KP Chinas einen „16-Punkte-Beschluss zur Großen Proletarischen Kulturrevolution“. Dieses Dokument stellt klar ihr Ziel heraus: „gegen die den kapitalistischen Weg gehenden Machthaber zu kämpfen und sie niederzuschlagen“. Die dazu entscheidende Methode wurde genannt: „Vertraut den Massen, stützt euch auf sie und respektiert ihre Initiative!“

Drei Tage vorher hatte Mao Zedong eine Wandzeitung veröffentlicht mit der Losung „Bombardiert das bürgerliche Hauptquartier!“ Schon am 16. Mai 1966 gab ein Rundschreiben des Zentralkomitees den Anstoß für die Kulturrevolution.

Wen meinte Mao Zedong mit dem „bürgerlichen Hauptquartier“, das „bombardiert“ werden sollte? 1956 hatten sich im ersten sozialistischen Land der Welt, der Sowjetunion, entartete Bürokraten an die Macht geputscht. Beim XX. Parteitag der KPdSU überzog ihr Anführer, Nikita Chruschtschow, mit einer Geheimrede den drei Jahre vorher verstorbenen Josef Stalin mit übelsten Verleumdungen. Marxistisch-leninistische Grundpositionen wurden über Bord geworfen. Angeblich gebe es fortan einen „friedlichen Weg zum Sozialismus“, der Klassenkampf sei überflüssig geworden, weil die alten herrschenden Klassen von der Macht vertrieben worden seien. Aber dafür hatten sich neue Herren breitgemacht: mit Privilegien für die Führer in Partei, Staat und Wirtschaft. Wer der neuen, revisionistischen Parteilinie widersprach, wurde bespitzelt, unterdrückt und verfolgt.

Mao Zedong verfolgte diese Entwicklungen kritisch und zunehmend besorgt. 1957 untersuchte er in dem Werk „Über die richtige Behandlung der Widersprüche im Volk“ allseitig die Existenz von Widersprüchen, Klassen und Klassenkämpfen im Sozialismus. Sie spiegeln sich als Kampf zweier Linien auch in der Partei wider. Widersprüche zum Feind müssen mit der nötigen Härte ausgetragen werden, Widersprüche im Volk aber können nicht administrativ durch Befehl und Gehorsam geklärt werden. „Man kann andere nur durch Argumente überzeugen, nicht durch Zwang. Zwangsmaßnahmen haben nur zur Folge, dass der, gegen den sie angewandt werden, nicht überzeugt wird. Mit Gewalt kann man nicht überzeugen. So kann man gegen Feinde vorgehen, nie darf man aber Genossen und Freunden gegenüber solche Methoden anwenden.“

In der „Polemik über die Generallinie der internationalen kommunistischen Bewegung“ bewies die KP Chinas 1963, dass die ideologisch-politischen Positionen der Chruschtschows und Co. prinzipiell unvereinbar mit dem Marxismus und Lenins Lehren waren.

Erfolge der Kulturrevolution

Dieser Kampf tobte auch in der Führung der KP Chinas. Staatspräsident Liu Shaoqi und der Generalsekretär der KP Chinas, Deng Xiaoping, waren die wichtigsten Vertreter der „Machthaber, die einen kapitalistischen Weg gehen wollten“. Sie unterstützten offen den von Mao Zedong kritisierten XX. Parteitag der KPdSU, der Ausgangspunkt der Restauration des Kapitalismus war. Mao Zedong geriet sogar zeitweise in eine Minderheitenposition im Zentralkomitee.

Im vollsten Vertrauen auf die Arbeiter, Bauern und die Jugend nahm Mao Zedong den Kampf dagegen auf. Massenhaft wurde die dialektische Methode anschaulich geschult. Zu den wichtigsten Verdiensten der Kulturrevolution gehört es, der weltanschaulichen, ideologisch-politischen Auseinandersetzung in der Partei und unter den Massen größte Bedeutung zu erkämpfen. Dabei sollten Theorie und Praxis immer in enger Verbindung stehen. Jugendliche der „Roten Garden“ zogen über Land, um den Massen zu helfen, Bürokraten und Karrieristen zu entlarven. Später wurden sie mobilisiert, sich dort zumindest zeitweise niederzulassen, um sich an der schweren Arbeit zu beteiligen, beim Aufbau von Schulen, Kindergärten, Gesundheitsstationen usw. zu helfen.

Die kritisierten Machthaber merkten bald, dass sie im offenen Schlagabtausch hoffnungslos unterlegen waren. Darum gründeten sie selber konkurrierende „Rote Garden“, die vor Mord und Totschlag nicht zurückscheuten. Das kostete viele Leben. Beispielhaft dafür war die sogenannte Wuhan-Affäre im Juli 1967, wo als „Rebellen“ getarnte Rechtselemente gegen revolutionäre Arbeiter und Studenten vorgingen und versuchten, Teile der Armee für sich zu vereinnahmen. Mao Zedong entlarvte dieses Komplott mit Unterstützung von Zhou Enlai. Die chinesische Armee wurde fortan aktiv in den revolutionären Prozess einbezogen.

Mit der Gründung von Revolutionskomitees in Betrieben, Institutionen, Städten und Gemeinden wurden neue Machtorgane gebildet, die die führende Rolle der Arbeiterklasse und ihrer Partei verwirklichten. Darin arbeiteten erfahrende Arbeiter, Frauen, Jugendliche, Militärangehörige und Parteikader zusammen. „Die Politik muss in allem die Führung haben“, hieß es. Das war ein Kampf um das Grundsätzliche, Prinzipielle – entgegen pragmatischem Herangehen.

Am 31. Oktober 1968 wurde Liu Shaoqi von der 12. Plenartagung des 8. Zentralkomitees aus der Partei ausgeschlossen, Deng Xiaoping all seiner Ämter enthoben. Damit fand die Kulturrevolution einen relativen Abschluss.

Allen heute verbreiteten Behauptungen eines wirtschaftlichen Niedergangs Chinas in der Kulturrevolution zum Trotz, gab es in Wahrheit ein rasantes Wirtschaftswachstum. Selbst der „Spiegel“ berichtete in einer umfangreich recherchierten Titelgeschichte Anfang 1971 voller Respekt über die „Produktions-Schlacht in China“: „Denn vier Jahre nach dem Ausbruch der Kulturrevolution scheint es dem ‚Großen Steuermann‘ Mao Tsetung, 77, gelungen zu sein, die damals freigesetzten Energien in eine gigantische, das ganze Volk erfassende technisch-wirtschaftliche Revolution umzuleiten, die Züge einer fernen Utopie trägt …“

Die Erfolge der Kulturrevolution – im Bildungs- und Gesundheitswesen, im Kampf um die Befreiung der Frau und in der Umwelt- und Kulturpolitik – konnten im Kampf gegen Einflüsse der kleinbürgerlichen Denkweise vorangebracht und das sozialistische Bewusstsein geweckt und sprunghaft entwickelt werden.

Weitreichende ideologisch-politische Aufklärungskampagnen und Massenbewegungen wurden unter Führung Mao Zedongs organisiert – gegen „den Wind von rechts“, gegen alte konfuzianische Ideen.

Schöpferische Lehren

Die MLPD hat mit der Lehre von der Denkweise, mit der allseitigen Verwirklichung der Massenlinie, mit der Verankerung eines Systems der Kontrolle und Selbstkontrolle der Partei weitreichende, schöpferische Schlussfolgerungen aus den unvergänglichen Erfolgen beim Aufbau des Sozialismus im China Mao Zedongs und besonders der Kulturrevolution gezogen.

Dass Deng Xiaoping zwar von allen Ämtern abgesetzt, aber nicht aus der Partei ausgeschlossen worden war, kritisierte die MLPD: „Der Fehler, diesen Feind des Sozialismus in der Partei zu belassen, sollte sich später bitter rächen.“ Das hat es den Rechtskräften erleichtert, nach dem Tod Mao Zedongs 1976 die Macht an sich zu reißen. Unter Führung Deng Xiaopings wurde in atemberaubendem Tempo der Kapitalismus wiederhergestellt. Heute ist China eine besonders aggressiv aufstrebende neuimperialistische Macht. Aber Arbeiterkämpfe und Massenproteste nehmen zu, und die Gedanken Mao Zedongs sowie die Erinnerung an die Kulturrevolution sind lebendig unter den Massen!

Beim Aufbau des Sozialismus bis hin zum Kommunismus kommt es entscheidend auf die Mobilisierung der Massen an – gegen das Vordringen der kleinbürgerlichen Denkweise. „Das hat Lenin immer wieder gefordert, Stalin wiederholt, aber nicht verwirklicht und Mao Tsetung durch die Große Proletarische Kulturrevolution praktiziert. Mehrere Kulturrevolutionen werden notwendig sein, um endgültig durch eine ständige proletarische Erziehung über die kleinbürgerliche Denkweise in der Bürokratie zu siegen. Es bleibt die Alternative: Sieg der kleinbürgerlich denkenden Bürokratie bedeutet Sieg der Konterrevolution! Sieg der Proletarischen Kulturrevolution bedeutet Sieg des Sozialismus!“