Mittwoch, 6. August 2014

Linkes Geschichtsbild

Sie werden es nie lernen.
In Frankfurt ist gerade Demo gegen antisemitische Vorfälle im Zusammenhang mit dem Gazakonflikt und es gibt auch ein Flugblatt der FDJ. Was ist daran bemerkenswert? Das es die FDJ noch gibt? Warum auch nicht, das ist kein Grund zur Beunruhigung. Der Flyerinhalt hingegen schon eher. Worum geht es?


„Denn letzten Endes ist die Gründung des Staates Israel die Konsequenz aus dem Holocaust, der industriell organisierten Massenvernichtung weit über 6 Millionen Menschen die per Definition „der jüdischen Rasse“ angehörig erklärt wurden. Nur der deutsche Imperialismus setzte dieses unbeschreibliche Verbrechen an der Menschheit als Kriegswaffe ein, um seine Profite zu steigern. ….“


Dieser Teil des Textes ist es wert mal grundsätzlich überprüft zu werden. Warum gerade dieser Text? Er zeigt, das die kommunistische und dogmatische Linke es auch im Jahr 2014 schafft, ihre Vorurteile und Irrtümer zu pflegen. Oder sollte ich besser schreiben, ihre Dummheiten und Realitätsblindheit? Schon der Begriff deutscher Imperialismus ist keineswegs einheitlich und bruchlos auf die deutsche Geschichte anwendbar. Der Imperialismus des Kaiserreiches war, was brutale Menschenvernichtung angeht durchaus auf der Höhe der Zeit und ein trauriger Höhepunkt war fraglos der Hereroaufstand. Unterdrückung und aus rassischer Überheblichkeit folgende Gewalt gab es vielfach auch im ersten Weltkrieg, doch von organisierter Massenvernichtung war dies noch weit entfernt.


Der Naziimperialismus hatte daher auch eine völlig andere Dimension und vor allem andere Motive. Imperiale Politik stand nicht mehr im Vordergrund, sie wurde von rassischer Paranoia abgelöst, die letztlich das Hauptmotiv der Vernichtungskriege wurde. 


Kommunisten haben dem nie viel Bedeutung beigemessen und vor allem, sie verstanden es nicht. Daher unterstellten sie auch den Nazis nur die üblichen Motive der Kapitalanhäufung. Und daher wurde der Holocaust für die Kommunisten einerseits zwar zum willkommenen Propagandamoment, andererseits auch zum Ärgernis. Denn bei genauerer Betrachtung fällt eines auf. Für die Judenvernichtung gab es weder militärische noch wirtschaftliche Gründe. Konnte man innerhalb Deutschlands noch sagen, die Juden bildeten in weiten Teilen die Mittelschicht, es war was zu holen, in Polen hingegen war nicht viel, in der Sowjetunion auch nicht. Als Kriegswaffe wurde diese  Massenvernichtung kaum eingesetzt, denn welchen militärischen Vorteil sollte sie haben? Bereits etlichen Historikern fiel es auf, die Züge die nach Polen fuhren, das Bewachungspersonal, bis hin zum Material, das alles war der eigentlichen Front entzogen. Vom militärischen Standpunkt betrachtet, war es also keineswegs sinnvoll. Es sei denn, die Vernichtung war einer der Hauptmotive für den Krieg, dann hingegen ist die Frage nach dem Sinn klar beantwortet. Kommunisten freilich können so eine Antwort nicht akzeptieren. Dann bleibt den Kommunisten noch das Argument mit dem Profit. Da wird dann auf die Verwertung der Kleidung bis zu den Goldzähnen verwiesen und es heißt, die Vernichtungslager hätten Profit abgeworfen. Zum einen stimmt nicht einmal das und selbst wenn, darum ging es gar nicht. Ja um was denn? Es ist allgemein bekannt, was die NS Ideologie für ein Wahngebilde ist, dessen Hauptbestandteil die Angst um die Reinhaltung der Rasse darstellt. Daraus folgte der Vernichtungskrieg und das war das Motiv dafür, erst alle rassisch unerwünschte Menschen aus dem öffentlichen Leben  bzw. in die Emigration zu drängen und als der Krieg anfing, die Gelegenheit zu nutzen um alle die sich im deutschen Machtbereich befanden, zu vernichten. Das ist etwas, das die Kommunisten nie verstanden haben. Warum nicht? Weil es ihrer Ideologie zuwiderläuft.

Es fängt bereits mit dem Antisemitismus an, der nach Sicht der Kommunisten, nur von den Kapitalisten geschürt wird, um die Arbeiterklasse zu spalten. Eine etwas sehr einfache Erklärung. Etwas zu einfach. Den Antisemitismus der Nazis, in dem sich traditioneller Antisemitismus mit pseudowissenschaftlicher Rassenlehre, sozialdarwinistischen Ideologie und paranoider Verschwörungstheorie vermischte, haben die Kommunisten nie verstanden. Auch weil sie den Faschismus nie verstanden haben bzw. verstehen wollten. Noch heute verbreiten sie unkommentiert Dimitrovs Faschismusanalyse welche den Grundfehler kommunistischen Denkens zeigt. 


Für Kommunisten ist der Faschismus nur die Fortsetzung des Profitstrebens mit brutaleren Mitteln. Kommunisten gehen von der kapitalistischen Gesellschaft als eine rational organisierte Welt aus, die wie eine Fabrik funktioniert und der Faschismus wäre nur ein weiteres Werkzeug welches die Funktion der Fabrik sichern soll. Also unterstellen sie dem Faschismus eine Rationalität, die dem Effizienzstreben einer Massenfertigung entspricht. Ein Grund für die Niederlage der Kommunisten war wohl auch, das sie ihren Gegner nicht verstanden haben und somit falsch einschätzten. Wie kann man jemanden besiegen, den man gar nicht kennt? Dies wiederholte sich 79 im Iran, als die Linke den Islamfundamentalismus nicht verstehen wollte. Nicht als das betrachten wollte, was er ganz offensichtlich war. Bis es anschließend ein böses Erwachen gab.


Was hat das mit Auschwitz zu tun? Man konnte es drehen und wenden wie man wollte, es fand sich einfach kein rationales Argument dafür. Rational in dem Sinne, den Profit zu steigern. Bereits die Massenvernichtung im besetzten Osten unterschied sich von früheren Kriegen dadurch, das es früher niemanden eingefallen wäre, ein Gebiet zu erobern und die Bewohner umzubringen. Dann hat man ja nichts davon, denn die übriggebliebenen Hasen und Füchse zahlen keine Steuern. Bis heute reden Kommunisten vom Raubkrieg im Osten, nur so wie da vorgegangen wurde, war der nicht gerade auf künftige Einnahmen ausgerichtet. Hätte man die Politik im besetzten Teil der SU an der Börse gehandelt, es hätte nur so vor Gewinnwarnungen hageln müssen. 


All diese Irrtümer werden bis heute als Geschichtsbild der Linken oder der Kommunisten im Netz weiterverbreitet. Sie wollen nichts dazulernen, denn dann müßten sie geheiligte Dogmen zur Diskussion stellen.


Sicher, es gab nicht nur die Nazis, es gab etliche faschistische Parteien und Bewegungen und es gab lokale Unterschiede. Der Francofaschismus kam erstmal ohne Judenverfolgung aus, auch in Italien setze die Deportation erst nach der deutschen Besetzung ein. Aber es gibt Gemeinsamkeiten und das ist die irrationale Paranoia, ohne die offensichtlich keine faschistische Bewegung auskommt. Man kann es aktuell in der Ukraine bewundern, wenn lokale Faschisten (die es offenbar einen Dreck interessiert, wie sehr gerade die Ukraine unter den Nazis gelitten hat) die ukrainische Regierung als von Zionisten gesteuert bezeichnen oder wahlweise den Maidan. Hier haben wir wieder den Nachweis, mit was für Gestörte man es zu tun hat und an denen jedes rationale Argument wirkungslos verpufft.


Wenn es also um die Frage der Rationalität geht, dann stellen wir fest, die Kommunisten unterstellen ihren Gegnern stets eine Rationalität und prüfen nicht lange nach, inwieweit dies überhaupt zutrifft. Ihr Hauptgegner ist das Kapital und der Faschismus ist nur ein Werkzeug davon. Jedenfalls wird das Kapital als ein sehr rational handelnder Gegner betrachtet, etwa im Sinne einer Fabrik, in der alles zur Profitsteigerung ausgerichtet sein muß. Bleibt freilich die Frage, welchen Sinn dann der Zylinder (auf den kein Karikaturist verzichten kann) des Kapitalisten wie auch seine notorische Zigarre in der Profiterzeugung haben sollen. Oder ist es nur eine Traditionspflege aus älteren Zeiten, daß Macht (auch Fabrikmacht) eben auch repräsentiert werden muß?  


Was die Rationalität angeht, in dem Sinne, das man es immerhin mit Vernunft im Sinne von auf ein Ziel gerichtet zu tun hat und da muß es doch möglich sein……  genau darin besteht ein Grundirrtum. Haben die Kommunisten ihren Marx nicht gelesen? Bereits hier können sie wissen, das System des Kapitalismus basiert nur zum Teil auf rationalem Handeln. Zu einem großen (oder größeren) Teil basiert es auf die Irrationalität des Herdentriebes, von niederen Instinkten und psychotischen Wahngebilden. Man kann es täglich an der Börse bewundern, man kann sich den Irrsinn des Anlagebetruges ansehen, man darf diverse Investitionsruinen begutachten und überall zeigt sich, von Rationalität scheint da wenig auffindbar. Erstaunlich genug, wenn das System trotzdem irgendwie funktioniert und was zuwege bringt. 


Wie rational der Kapitalismus funktioniert, kann man auch da bewundern, wenn in der City die Banktürme wachsen und Grundstückspreise explodieren, aber es weit und breit kein Klopapier zu kaufen gibt. Oder in Reichensiedlungen, in denen sich Laden an Laden reiht, in denen es überteuerten Krimskrams gibt, den kein Mensch braucht, aber wem da auf einmal einfällt, er braucht grad dringend eine Zahnbürste, der hat ein Problem.
Wir sehen, bereits der Kapitalismus ist keineswegs so rational wie ihn die Kommunisten gerne sehen würden, der Faschismus ist es erst recht nicht und das gilt selbstverständlich auch für den Faschismus der 21. Jahrhunderts. Der ist grün und nennt sich Islam. Der Fundamentalismus hat bemerkenswert viel mit dem Faschismus gemein. Sogar erschreckend viel. Dazu zählt fraglos die Paranoia die den Westen und die Zionisten für alles verantwortlich macht, wie auch das irrationale Moment die eigenen Reihen von allen reinigen zu wollen, die nicht der reinen Lehre zustimmen, weil erst dann das Paradies anbrechen kann. 


Für die Nazis war es nie ein Problem, einerseits von der Technik begeistert und in der Organisation durchaus modern und aufgeschlossen, andererseits in dem Erscheinungsbild der Gesellschaft total rückwärtsgewandt, oder man würde heute sagen, voll retro.  Das ist bei den Fundamentalisten nicht anders, sie nutzen das Internet um ihre Propaganda zu verbreiten, wollen die Menschen aber gleichzeitig in die Zeit des Korans zurückversetzen.


Know your enemy
Wer nicht kapiert wie sein Gegner wirklich tickt, wie will man da gewinnen?